Über die Loge La Tolérance

Die ersten Freimaurer, welche im Nord-Jura lebten, waren Mitglieder verschiedener schweizerischer Logen und auch der Loge „Les Amis Eprouvés“ in Montbéliard. Zu jener Zeit und in Anbetracht der sehr beschränkten und eher mühsamen Reisemöglichkeiten, konnten sie nur selten an den Arbeiten ihrer Logen teilnehmen. Heftige Anfeindungen von Gegnern der Freimaurerei machten ihnen das Leben schwer und bewogen sie sich zusammen zu schliessen um sich besser dagegen wehren zu können.

Vorerst gründeten diese Freimaurer, am 19.02.1873, einen lokalen Freimaurer-Verein, einen Zirkel. Schon bald, im Jahre 1879 hat die Schweizerische Grossloge Alpina (SGLA) einem Gesuch zur Gründung einer neuen Loge in Pruntrut wohlwollend zugestimmt. Am 26 .09. 1880 fand in Anwesenheit des sehr ehrwürdigen Grossmeisters der SGLA, des Bruders John Cuénot, die Einweihung, bzw. die Lichteinbringung statt.

Die Aktivitäten der jungen Loge waren überschattet von den damaligen leidenschaftlichen, politischen und konfessionellen Zwistigkeiten, diese wurden, insbesondere in der Ajoie, in einer für heutige Verhältnisse ungewöhnlichen Schärfe ausgetragen.

Die junge Loge konnte von der Gemeinde Pruntrut Lokale mieten, die früher den Jesuiten als Seminarräume dienten. Im Jahr 1895 ermunterten die Mitglieder der Loge die Gemeinde Pruntrut – inspiriert durch freimaurerische Ideale, wie dem Beistand für sozial Schwächere – zur Schaffung einer Hilfsaktion, der „Schulsuppe“, welche dann auch bald zustande kam. Sehr zum Leidwesen der Loge brachte die Gemeinde diese Institution in den Räumen unter, welche sie den Freimaurern vermietet hatte. Damit aber leistete die Gemeinde der Loge einen ausgesprochenen Bärendienst: diese verlor ihr Heim. Dafür Ersatz zu finden war schwierig und gelang nicht innert nützlicher Frist.

Die Stilllegung der Logenaktivitäten kam aber nicht in Frage, sie hätte den Gegnern der Freimaurerei zwar wohl gefallen. Die Brüder der Loge La Tolérance unternahmen massive Anstrengungen und mit grosszügigerHilfe der SGLA und mehrerer Schwesterlogen konnte die Finanzierung eines Bauprojektes, mittels eines zinslosen Darlehens, sichergestellt werden. Die Planung wurde unverzüglich an die Hand genommen und das Bauwerk zügig realisiert. Am 30. 10. 1897 konnte in Gegenwart vom sehr ehrwürdigen Grossmeister, dem Bruder Caspard-Friedrich Hausmann, und unter Teilnahme einer grossen Zahl von Freimaurern, von nah und fern, das noch heute benützte Logenheim feierlich eingeweiht werden.

Während langer Jahre konnte unsere Loge nun ungestört arbeiten und erfreute sich einer sehr beachtlichen Mitgliederzahl. Jedoch in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts erlebt die Schweiz eine ungewöhnliche politische Unruhe, verbunden mit provokativen faschistischen Tätigkeiten, welche im Zusammenhang mit der Nazi-Bewegung im nördlichen Nachbarland standen und das Verbot der Freimaurerei und ähnlicher Gesellschaften zum Ziele hatten. Einige Brüder, auch in anderen schweizerischen Logen, welche wohl berechtigte Bedenken hegten, wegen für sie und ihre Familienangehörigen befürchteten nachteiligen Repressalien dieser sehr engagierten Extremisten, zogen es deshalb vor zu demissionieren und der Freimaurerei den Rücken zu kehren. Doch ein Kern mutiger Männer blieb unseren Idealen treu und verteidigte diese mit grossem Engagement. Im Jahre 1937 verwarf das Volk an der Urne die so genannte Fonjallaz-Initiative recht wuchtig, womit dieser unrühmliche Spuk sein Ende fand.

Die Loge in Pruntrut,, wie auch die Schweizerische Freimaurerei konnte wieder in Ruhe arbeiten, doch erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde das Logenleben wieder intensiver und die Arbeiten wieder gut besucht.

Am 12.10.1980 konnte die Loge La Tolérance ihr hundertjähriges Bestehen feiern. Der sehr ehrwürdige Grossmeister, der Bruder Orazio Schaub, nahm an diesem Anlass teil, begleitet von über 200 Freimaurer-Gästen aus der Schweiz und den angrenzenden Ländern. Diese Feier, verbunden mit einiger Publizität, erlaubte der Loge in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen als einem Hort des Friedens, der Freiheit und der Toleranz, letztere ist nicht nur ihr Name, sonder auch gelebtes Programm.

25 Jahre später, im Jahr 2005, konnten wir auf unsere 125-Jährige Existenz unserer Loge zurückblicken und ein frohes Fest abhalten. an dem wir den sehr ehrwürdigen Grossmeister der GLSA, den Bruder Alberto Menasche, und eine ansehnliche Gästeschar begrüssen konnten. Dieser erfreuliche Anlass war verbunden mit einem gediegenen Programm mit maurerischen und profanen Aktivitäten, deren Ziel es war auf unsere Ideale und Tätigkeiten aufmerksam zu machen. Dabei durften wir das Wohlwollen und die Anerkennung der lokalen Presse und der weiteren Öffentlichkeit für unser Wirken und Wollen erfahren.

Unsere Loge, La Tolérance, zählt heute rund dreissig Mitglieder, sie treffen sich zweimal monatlich für die gemeinsamen Arbeiten.

Im Calendrier des Travaux erfahren sie mehr über die Aktivitäten unserer Loge.


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